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Wünsch-Dir-Was oder echte Probleme lösen?

Autorenbild: Stefan
Stefan
19. Aug.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 20. Aug.

Sportplatzneubau, Hochwasserschutz oder Straßenbau, was ist wichtiger? Entscheiden Sie selbst!

 

In den letzten Wochen gab es einige Berichte zu dem geplanten Sportplatzneubau im Ortsteil Benterode mit einem Investitionsvolumen von rund 750.000 €. Dieser soll zu einem Kunstrasenplatz umgebaut werden. Beantragt sind 337.500 Euro, die aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS) kommen sollen. Die Gemeinde Staufenberg muss also noch rund 412.500 € selbst aufbringen.


Zunächst möchte ich betonen, dass ich dem Ortsteil Benterode natürlich einen neuen Sportplatz gönne. Allerdings muss in Zeiten knapper Haushaltsmittel und einer erheblichen Anzahl wichtiger Projekte eine ordentliche und objektive Bewertung, wofür das wenige Geld ausgegeben werden soll, durchgeführt werden. Dennoch muss man dem Antragssteller, der Gemeinde Staufenberg, zum bewilligten Antrag gratulieren, es gab ja bekanntlich mehr Anträge als verfügbare Fördermittel. In dem HNA-Artikel vom 17.02.2026 erläutert der 1. Vorsitzende der Spielgemeinschaft Landwehrhagen/Benterode und Fraktionsvorsitzende der WfS, Florian Winkler: Dass es überhaupt Bedarf nach einem solchen Platz gebe, liege keineswegs an dem Zustand des bisherigen – der sei einwandfrei. „Es geht um sportliche Perspektiven.“. Weiterhin sagt Winkler, dass der Fußball der Spielgemeinschaft in Hessen angegliedert sei, woraus sich ein gewisser Nachteil ergebe: Die Kasseler Mannschaften haben Zugang zu Kunstrasenplätzen, auf denen sie das gesamte Jahr über trainieren können“. In Staufenberg würden die Plätze spätestens im Herbst gesperrt. Auch für die Kinder- und Jugendmannschaften sei das ärgerlich.


Die Fragen, die sich mir und sehr vielen andere Bürgerinnen und Bürgern in Gesprächen stellten sind jedoch zahlreich und naturgemäß unterschiedlichen Interessenlagen und Sichtweisen geschuldet. Das ist normal und auch in Ordnung. Dennoch muss man sie ansprechen und diskutieren.


Folgende Hintergründe muss man kennen, um objektiv und sachgemäß argumentieren zu können:

 

Es gibt in Staufenberg derzeit vier gut bis sehr gut ausgelastete Sportplätze. Einer davon wurde im Jahr 2021 neu im Ortsteil Landwehrhagen errichtet. Damals entschied sich die Gemeindeverwaltung trotz erheblicher Förderung für einen Rasenplatz, obwohl es damals schon Rufe nach einem Kunstrasenplatz gab. Zwei von den übrigen drei Plätzen sind deutlich sanierungsbedürftiger als der Sportplatz in Benterode.


Im Ortsteil Escherode gibt es einen gut genutzten Sportplatz, der über keine Bewässerungsmöglichkeit verfügt. Bei der aktuellen Wasserdiskussion ist das sicher kein Argument, sondern spricht eher für einen Kunstrasenplatz, der eben nicht gewässert werden muss. Allerdings geht es nicht um ein Wasserproblem, sondern darum, dass es in Staufenberg weitere Plätze gibt, die einen hohen Sanierungsbedarf haben, höher als der in Benterode, denn dieser ist nach eigener Aussage des 1. Vorsitzenden der Spielgemeinschaft Landwehrhagen/Benterode in einem sehr guten Zustand. Zudem muss aber erwähnt werden, dass ein Kunstrasenplatz zwar nicht gewässert werden muss, aber er benötigt in regelmäßigen Abständen intensive Pflege in der Form, dass teures Granulat eingebracht werden muss, damit sich niemand verletzt. Er muss regelmäßig, statt gemäht zu werden, gestriegelt werden, damit sich die Fasern wieder aufstellen, um das Rasengefühl und -verhalten zu simulieren. Er muss außerdem nach einiger Zeit in den stark beanspruchten Bereichen repariert oder in Teilen ausgetauscht und nach ca. 10 - 15 Jahren, je nach Nutzungsintensität, teuer erneuert werden. Zudem ist eine angebliche ganzjährige Bespielbarkeit ein Mythos, es sei denn, man würde ihn beheizen, damit der darauf liegende Schnee oder Eis abtauen. Ein Kunstrasenplatz bietet natürlich einige Vorteile, aber man muss auch nicht Märchen erzählen, um ihn interessanter für die Steuergeld zahlende Allgemeinheit zu machen.


Reparaturbedürftiger Kunstrasenplatz
Reparaturbedürftiger Kunstrasenplatz

Der Sportplatz im Ortsteil Uschlag ist ebenfalls sehr sanierungsbedürftig. Uschlag ist nach dem Ortsteil Landwehrhagen inoffizielles, aber gelebtes und stets von der Verwaltung so dargestelltes 2. Grundzentrum Staufenbergs, und außerdem zweitgrößter Ortsteil in Staufenberg. Vor 2 Jahren ist der Ortsteil Uschlag bei Bürgermeister Grebenstein und CDU-Bürgermeisterkandidat Bornmann in Ungnade gefallen, wahrscheinlich weil Ortsbürgermeister mit Ortsrat Beschlüssen der Verwaltung kritisch gegenüberstanden. Uschlag hat zudem eine hervorragende Infrastruktur. Damit ist nicht wie in Benterode eine vielleicht in 2026 fertiggestellte Ortsdurchfahrt gemeint, sondern die möglichen Parkplätze am und um den Sportplatz herum, Umkleiden und Duschmöglichkeiten in der Sporthalle. In Benterode wurde von jeher aufgrund der schlechten Parkmöglichkeiten an der Königstraße geparkt. Bei Spielen war es daher schon immer schwierig dort durchzukommen. Des Weiteren gibt es trotz umfassender Sanierung im Jahr 2014 nur eine Gemeinschaftsduschmöglichkeit im Keller. Es war in dem alten Bestandsgebäude nicht genügend Platz für 2 Mannschaftsduschen und außerdem hatte der Sportverein damals Interesse an weiteren Gemeinschaftseinrichtungsgegenständen. Für einen hochwertigen Kunstrasenplatz mit hohem überregionalem Qualitätsanspruch sollte jedoch auch das Gesamtpaket Sinn machen. In Escherode ist die Parkmöglichkeit ebenfalls besser, da der Platz nur an einer wenig befahrenen Nebenstrecke liegt.

 

Eine weitere Frage sollte die Frage der Finanzierung sein:


  • Es gibt in Staufenberg unter anderem erheblichen Investitionsstau im Bereich des Hochwasserschutzes. Dieser wurde durch das Land Niedersachsen ermittelt, die Handlungsfelder dürften in den Ortseilen mit Gewässern 2. Ordnung wie z. B. Dahlheim und Uschlag, aber auch in Lutterberg, Speele und Spiekershausen, wie von jeher, groß sein. Daher muss auch dort erheblich in bauliche Anlagen, Renaturierung, Retentionsflächen, etc. investiert werden, zumindest sagte dies Bürgermeister Grebenstein in etlichen Gemeinderatssitzungen und den Anwohnern der Sensensteinstraße nach einem Hochwasser in 2019 zu. Passiert ist bis heute nichts, nirgendwo. Werden denn bei solchen Ereignissen stets nur leere und beschwichtigende Zusagen gemacht?


Starkregenereignis Ortsteil Speele
Starkregenereignis Ortsteil Speele

  • Sanierung der gemeindlichen Heizungsanlagen: Viele der gemeindlichen Heizungsanlagen bedienen sich noch fossiler Brennstoffe. In den letzten 2 Jahren wurden gut geeignete und bezahlbare Technologien entwickelt, um auch Bestandsanlagen mit hohen Vorlauftemperaturen umzurüsten sowie Förderprogramme mit hohen Zuschüssen dafür auf den Fördermarkt gebracht. Hier müsste dringend gehandelt werden, um sich von den riesigen Preissprüngen am Brennstoffmarkt unabhängig zu machen.


  • Straßensanierungen wurden in den vergangenen 12 Jahren in höchst unzureichendem Umfang durch die Gemeindeverwaltung durchgeführt. Von rund 230 Gemeindestraßen sind 50 - 60 % marode. Theoretisch hätten bei einer mittleren Lebenszeit von 60 Jahren, der Gesetzgeber geht eher von 30 - 40 Jahren aus, jedes Jahr 4 Straßen grundhaft saniert oder erstmalig erschlossen werden müssen. Das wären in 12 Jahren Grebenstein 48 Straßen gewesen. Geschafft hat er davon drei, wobei ihm die Bachstraße im Ortsteil Escherode in 2014 von seinem Vorgänger Zimmermann quasi fast fertig übergeben wurde. Beim Straßenbau der OD Benterode ist die Gemeinde Staufenberg nur für den Gehweg inkl. Hangsicherung zuständig. Leider ist man sogar damit überfordert, weshalb diese Straße immer noch nicht fertig und für den Verkehr freigegeben wurde.


Gemeindestraße im Ortsteil Escherode
Gemeindestraße im Ortsteil Escherode
Gemeindestraße im Ortsteil Spiekershausen
Gemeindestraße im Ortsteil Spiekershausen

Man könnte noch etliche andere wichtigere Maßnahmen aufzählen. Die Wichtigkeit entscheide selbstverständlich nicht ich, sollten aber auch sonst keine Einzelpersonen entscheiden. Wie werden die Schwerpunkte also in Staufenberg gesetzt? Es sieht ganz nach Würfeln und Herzensprojekten einzelner Personen aus. Es wird ein neuer Kunstrasenplatz ohne bauliche Begründung und Notwendigkeiten in einem kleinen Ortsteil mit mäßiger Infrastruktur (Parkplätze, Duschmöglichkeiten, etc.) zwei wichtigeren Sportplatzsanierungen vorgezogen. Andere und wichtigere Maßnahmen werden einem Wünsch-Dir-Was oder Nice-To-Have untergeordnet.


Die aktuelle Verwaltungsführung, unterstützt mit langjährigen Mehrheitsverhältnissen von WfS und CDU im Gemeinderat, hat es in 12 Jahren nicht geschafft, große Probleme anzugehen und nachhaltig zu lösen. Der Finanzhaushalt wurde in den vergangenen Jahren um ehemals vorgesehene Projekte ausgedünnt. Ja, so spart man Geld und so hat man am Ende des Jahres und kommenden Jahren Geld. Aber bitte nicht, um dieses aus Maßnahmen rausgesparte Geld für prestigewirksame Projekte zu verjubeln. Das darf so nicht weitergehen, der Bürgerwille muss bei derartigen Entscheidungen direkt im Abstimmungsverfahren eingeholt werden, um der Verwaltung zu zeigen, dass Sie längst nicht mehr sachorientiert arbeitet. Wenn dann gemeinschaftlich und mehrheitlich solche Projekte unterstützt werden sollen, kann man zumindest sicher sein, dass sich hier nicht der ein oder andere lediglich ein Denkmal setzen will und die Übergabe der Fördermittel werbewirksam für seinen Wahlkampf einsetzt!


Abbildung römischer Kaiser, Ki-generiert und lizenzfrei
Abbildung römischer Kaiser, Ki-generiert und lizenzfrei

1 Kommentar

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Julia Müller
Julia Müller
21. Aug.
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Super Post 👍🏻 stimmt warum werden nicht erst einmal die Plätze saniert die kaputt sind oder die zahlreichen Straßen 🤔

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